Netzwerk Wiesen + Weiden                
                    in  Waldeck-Frankenberg

Gewinner-Idee: Gras-Pyrolyse

Immer mehr WiesenbewirtschafterInnen haben ein Problem, das Gras oder Heu von Wiesen zu verkaufen. Schon lange sinken die Zahlen der ViehhalterInnen. Wiesen fallen brach, verbuschen, vergrasen und verlieren ihre Artenvielfalt.
Wegraine wurden früher beweidet von armen Ziegenhaltern, nun werden sie meistens von Landwirten gemulcht. Was sollen sie auch anderes machen, wenn sie das Gras nicht mehr als Futter benötigen? Wegraine und Wiesen aber müssen gemäht und das Mahdgut abgetragen werden, damit sie bunt und blütenreich bleiben statt dicke Altgrasmatten zu bilden. Nur - wohin mit dem ganzen nicht futterfähigen Gras?

Deshalb tüftelt der NABU Edertal kräftig unterstützt vom DVL und der Uni Kassel zusammen mit Klimamanagern des Landkreises Waldeck-Frankenberg an folgender Idee.
Das kommunale Gras von Spielplätzen, Friedhöfen usw. muss wie das Gras von Feldwegen aus rechtlichen Gründen kompostiert werden, weil es als Abfall eingestuft wird. Das kostet in Waldeck-Frankenberg 145 € pro Tonne. Unser Ziel ist, die offene Kompostierung des „Abfallgrases“ (bei der auch Methan, Lachgas usw. frei wird) durch eine kostengünstigere und fürs Klima bessere Verwertung zu ersetzen. Gras sollte nicht mehr als Abfall behandelt werden, sondern als wertvoller Rohstoff und gespeicherte Sonnenenergie. Das kommunale Gras, das Gras von extensiven  Naturschutzwiesen soll zusammen mit 75 % Hackschnitzeln aus Landschaftspflegeholz pyrolysiert werden. Mit der Abwärme aus der Pyrolyse kann das Gras getrocknet und z.B. ein Schwimmbad ganzjährig geheizt werden. Außerdem wird Pflanzenkohle produziert, die nach EU-Düngergesetz in den Boden oder auch nach deutschem Recht in Beton für Pfastersteine könnte oder Asphalt beigemischt werden könnte. Damit speichern Beton und Asphalt Kohlenstoff. Deshalb können auch CO2-Zertifikate verkauft werden. Der thermischen Verwertung von Gras steht vor allem der Gehalt an Mineralien, besonders der Chlorgehalt des Grases entgegen. Chlor wird im Pyrolyse-Reaktor leicht zu Salzsäure, die Korrosion bei den Anlagenteilen verursachen kann. Deshalb ist eine besondere Bauweise und evtl. das Zufügen von Additiven wie Kalk notwendig. Am besten geeignet ist spät gemähtes und am besten verregnetes Gras von ungedüngten Wiesen. 

Ziel ist eine Machbarkeitsstudie, die die technischen und wirtschaftlichen Fragen beantworten soll. Die Chancen für das Projekt stehen gut, vor allem weil das Gras durch den immer stärker steigenden Preis für Hackschnitzel konkurrenzfähiger als Inputmaterial für die Pyrolyse wird. Vielleicht schwitzen wir ja zukünftig in einer Sauna mit dem guten Gefühl dadurch noch etwas für die Biodiversität und das Klima zu tun. 


Andere Nutzungsmöglichkeiten besonders für Pellets aus eiweißarmen Gras kommen in Zukunft evtl. infrage wie Kunststoffersatzprodukte (Fa Biowert, siehe Kleiderbügel auf dem Bild) und Graspapier (Fa Creapaper, siehe Toilettenpapier und Notizbuch auf dem Bild).




WLZ 21.11.23

WLZ 2.8.24



Das Rodenbachtal für den Ameisenbläuling

Beabsichtigt ist, das Rodenbachtal Lebensraum für den Wiesenknopf-Ameisenbläuling zu erhalten. Dazu finden aktuell Abstimmungsprozesse mit unterschiedlichen Adressaten statt.

300 Meter Netz für Wildbienen


In Hessen gibt es 424 Wildbienenarten, davon sind 55 % bedroht, ausgestorben oder verschollen. Wildbienen sind als die wichtigsten Bestäuber unerlässlich für unsere Ernährungssicherheit. Deshalb gibt es jetzt das Projekt, im Jahr 2024 rund um Edertal-Anraff, Lebensräume für Wildbienen zu sichern oder wieder herzustellen. Weil Wildbienen im Durchschnitt nur 300 Meter zwischen Nistplatz und Futterstelle zurücklegen, dürfen diese Biotope nicht weiter als 300 Meter voneinander entfernt sein.


Wiesenwege und Wegeseitenstreifen können wichtige Biotopkorridore werden, wenn sie blütenreich sind. Da die meisten Feldwege gemulcht werden, werden Gräser (und Brennesseln) gefördert und Blütenpflanzen zurückgedrängt. In Anraff gibt es noch einen Landwirt, der Feldwege mäht und das Mahgut verfüttert. Das unterstützen wir, indem wir für eine Feldwegesatzung der Gemeinde Edertal eintreten, die das ermöglicht.


Wegeseitenstreifen (meistens jeweils 1,50 m breit) sind Eigentum der Gemeinde. Im Grünland werden sie mitgenutzt und gepflegt. Ein Landwirt hat sich bereit erklärt, den Seitenstreifen nicht zu düngen und ein- bis zweimal im Jahr zu mähen, obwohl er dadurch einen Nachteil hat. Damit können sich Blütenpflanzen, wie Flockenblumen und Witwenblumen ansiedeln.  Wir hoffen, das sich weitere Landwirte anschließen.


Einige Landwirte und Hobbytierhalter bewirtschaften extensiv ihre Wiesen. Diese Wiese z.B. ist voller gelbem Hornklee. Sie wird seit 5 Jahren nicht gedüngt und einmal im Jahr gemäht. Wir wollen das wertschätzen und 2024 auf diesen Flächen die Pflanzen und Wildbienenarten dokumentieren.

Gelbbindige Furchbiene auf Flockenblume


Auch Erbsen und Acker-Bohnen sind als einheimische Blütenpflanzen interessant für Wildbienen. Oberirdische und unterirdische Nistmöglichkeiten könnten mit Einverständnis der Landwirte direkt an den Feldern angelegt werden. Ein Konzept, wie die Nistmöglichkeiten im Boden das nächste überdauern könnten, ohne untergepflügt zu werden, muss entwickelt werden.


Ein Viertel der Wildbienen nisten oberirdisch, z.B. in Käferfraßgängen in altem Holz oder in Nisthilfen. Wie gut die einzelnen potentiellen Lebensräume des "300 Meter Netzes für Wildbienen" in Anraff von Wildbienen angenommen werden, soll 2024 untersucht werden, indem an diesen Biotopen genormte Nistkästen aufgestellt werden. So lässt sich die Belegung der Nistzellen leicht vergleichen.


Dreiviertel aller Wildbienen nisten an vegetationsfreien Stellen im Boden. 2024 sollen verschiedene Methoden erprobt werden, kleine Ein-Quadratmeter große vegetationsfreie Parzellen zu schaffen:
- durch Ablflämmen zwischen November und  
  Februar
- durch Abtragen von 5 cm Boden
- Durch Umgraben und Festreten von Boden. 



Filme über Wiesen
Leben in der Wiese bis 27.1.28 in der ardmediathek, 15 Minuten
"Die Wiese" in der ndrmediathek, 45 Minuten
Die Wiese - ein verlorenes Paradies, 45 Minuten, Doku auf youtube.com
Biene Majas wilde Schwestern bis 24.3.24 in der ardmediathek. Ein toller Film von Jan Haft über Wildbienen.